Salutogenese und enaktive Begleitung (Heilpraktikerin)

Entspannung mit Neurofeedbacktraining

Neurofeedbacktraining ist eine Art des Gehirntrainings, bei dem Menschen trainieren können, mittels Elektro-Enzephalogramm (kurz EEG) erfasste und über ein computeranimiertes Feedback zurückgemeldete Bewusstseinszustände zu verändern und dadurch ihre neuronalen Netzwerke im Gehirn dazu anzuregen, neue oder bessere Verbindungen untereinander einzugehen (neuroplastisches Training). Neurofeedbacktraining kann unterstützend eingesetzt werden um die Selbstregulationsfähigkeit des Gehirns zu trainieren.

Wie funktioniert es?

Es gibt Millionen von Nervenzellen im Gehirn. Nervenzellen erzeugen, wenn sie feuern, ihr eigenes elektrisches Signal. Wenn viele Neuronen gleichzeitig feuern entstehen durch ihre kombinierten Signale Oszillationen, die wir als Gehirnwellen bezeichnen. Wir messen diese Gehirnwellen mittels Elektro-Enzephalogramm (EEG) in Schwingungen pro Sekunde. Unsere Gehirnwellen variieren und unterschiedliche Erregungszustände im Gehirn zeigen unterschiedliche Messergebnisse im EEG. Zum Beispiel sind unsere Gehirnwellen bei der Messung im Schlaf und während der Entspannung langsamer und schneller, wenn wir uns aufregen. Bei einem Neurofeedbacktraining für Menschen, die unter Stressfolgestörungen und dadurch häufig unter einem sehr hohen Erregungslevel  (Hyperarousal = Übererregung) leiden, ist z.B. das Training in einem Bereich, der mit Ruhe und Entspannungszuständen assoziiert ist (Training im Alpha-Theta-Bereich), sinnvoll.

Wie läuft so ein Training ab?

Beim Neurofeedbacktraining werden Elektroden außen am Kopf festgeklebt. Diese Elektroden messen die Gehirnwellenaktivität in dem Bereich, wo sie kleben. Nichts geht dabei in den Kopf hinein, es wird nur der "Output" (die elektrische Spannung) der Gehirnwellenfrequenzen in dem Bereich, wo die Elektroden kleben, gemessen. Das Ergebnis und die bildliche Darstellung dieser Messung nennt man Elektro-Enzephalogramm, kurz EEG.

 

Die Computerauswertung dieser Messdaten wird auf einem sog. EEG-Monitor für die Heilpraktikerin sichtbar (siehe oberes Bild rechte Seite, unteres Bild linke Seite). Auf einem zweiten Feedbackmonitor an der Wand läuft zeitgleich eine Computeranimation für die Trainierenden (siehe unteres Bild rechte Seite). Diese Animation lässt sich von den Übenden über die bei ihnen gleichzeitig in einem bestimmten Areal abgelesenen Gehirnwellenfrequenzen beeinflussen. Wie geht das?



Die Trainierende kann die Animation beeinflussen, indem sie ihre Gehirnwellenfrequenzen an die vorgegebene Trainingsfrequenz anpasst. Durch die Aktivierung bestimmter neuronaler Netzwerke im vorgegebenen Frequenzbereich ist das Gehirn dazu in der Lage, Teile der Computer-Animation auf dem zweiten Bildschirm an der Wand (z.B. die Geschwindigkeit der sich bewegenden Flugobjekte, die Schärfe des Bildes, die Lautstärke usw.) zu verändern.

Spielerisch lernen

Weil unser Gehirn Neues interessant findet, kann es spielerisch versuchen auszuprobieren, was funktioniert, damit das Bild der Animation scharf bleibt und der Ton klar ist. So kann das Gehirn über prozedurales Lernen, (-genau auf dieselbe Weise wie z.B. ein Baby bei der Wahrnehmung seiner eigenen Hände oder Füße irgendwann lernt, dass es selbst die Person ist, die die Bewegungen dieser Hände oder Füße steuert- ), wahrnehmen, dass es selbst der Akteur ist, der die Steuerung dieser Ton- und Bildqualität der Animation auf dem Feedbackmonitor bewirkt.
Diese Anpassungsleistung an das auditive (Ton) und visuelle (Bild) Feedback könnte man als einen Balanceakt unseres Gehirns begreifen, bei dem es versucht durch das spielerische Ausbalancieren und Aktivieren verschiedener neuronaler Netzwerke eine optimale "Balance" zu finden - ähnlich einem Surfer, der auf seinem Brett die Balance hält und gleichzeitig durch den Balanceprozess selbst (= prozedurales Lernen) versucht, schneller zu werden, indem er die Strömung der Welle nutzt.



Dafür würde ein Surfer unbewusst verschiedene neuronale Netzwerke koordinieren, um beim Surfen in einen optimalen Strömungszustand "Flow" zu gelangen. Diesen Zustand erreicht er nicht bewusst und willkürlich, - also nicht indem er sich überlegt: "Ich werde mal ein Bein hier hin stellen und das andere da hin"-, sondern einfach in einer fließenden Bewegung "seinem Gefühl nach".
Beim ILF-Training (Infra Low Frequency- Training, s.u.) wird das Gehirn dazu angeregt eine gute Balance zu finden. Das Neurofeedbacktraining basiert darauf, dass man (willkürlich oder bewusst) gar nichts tut und das Gehirn seine eigene Balance finden lässt.

Trainingsfrequenz und Elektrodenplatzierungen

Der Bereich, der mit der entsprechenden Trainingsfrequenz angesteuert wird, ist der Bereich, für den sich die Trainierenden mehr neuronale Vernetzungen wünschen. Man kann sich das so ähnlich vorstellen, wie wenn wir z.B. beim Sport im Fitnesscenter einen bestimmten Bereich unserer Muskeln trainieren möchten, Mit dem Neurofeedbacktraining würden wir analog versuchen eine bessere neuronale Vernetzung bestimmter Bereiche unserer Nerven zu trainieren. Aber in welchen Bereichen unserer neuronalen Netzwerke sollen wir trainieren? Wo wäre eine bessere neuronale Vernetzung wünschenswert? Das kann individuell ganz unterschiedlich sein.

Menschen, die unter Stressbelastungen und Stressfolgestörungen leiden, könnten beispielsweise für eine bessere Vernetzung ihrer neuronalen Netzwerke zur Selbstberuhigung und Entspannung trainieren.

Während andere Menschen dagegen lieber bestimmte Kompetenzen verbessern, die sie schon haben (z.B. um sich noch besser zu konzentrieren). Musiker, Sportler oder Manager könnten neben der Entspannung  z.B. auch im "Peak Perfomance (Spitzenleistungs) -Trainingsbereich" trainieren.  Die Elektrodenplatzierung und die Trainingsfrequenz werden also immer ganz individuell für denjenigen, der bestimmte Fähigkeiten trainieren möchte, ausgewählt.

Was ist Neurofeedback ILF (Infra Low Frequency) Training ?

Das ILF-Training ist ein individualisiertes Neurofeedback-Training, das das Training in einem sehr niedrigen Frequenzbereich ( Infra Low Frequency) ermöglicht. Dieses Neurofeedback-Training wird ganz individuell für jeden einzelnen Klienten eingestellt. Beim ILF-Training wird das Gehirn dazu angeregt, seine eigene Selbstregulationsfähigkeit besser zu nutzen. Trainiert wird der Balanceakt an sich, den das Gehirn ausführt, um sich z.B. selbst zu beruhigen, anzuregen oder zu fokussieren. Um die Trainingsfrequenz gut anzupassen und herauszufinden, was hilfreich für das Neurofeedbacktraining ist und was nicht, ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Trainierendem und Trainer die Voraussetzung.

Mit Neurofeedbacktraining Entspannung lernen



Alpha-Theta-Training und Synchrony-Training

Für Menschen, die unter Stressfolgeerkrankungen leiden, empfiehlt sich das Training in einem Frequenzbereich, der mit Ruhe und Entspannung assoziiert ist. Das Alpha-Theta-Training fokussiert auf einen Frequenzbereich (Alphawellen und Thetawellen), der mit tiefen Entspannungszuständen assoziiert ist und auch die körperliche Entspannung fördern kann.

Beim Synchrony-Training wird eine gleichzeitige Aktivierung der vorderen (frontalen) und der hinteren (parietalen) Alpha-Nervenknotenpunkte ("Alpha-Hubs") initiiert, mit dem Ziel, diese zu synchronisieren (so dass sie auf derselben Frequenz,- z.B. im Bereich der Alpha-Wellen-, feuern). Diese Art von Training ist dazu gedacht die interhemisphärische Neuroplastizität des Gehirns anzuregen, -also für eine bessere Vernetzung der linken und der rechten Gehirnhälfte zu sorgen.



Wie lange empfiehlt es sich zu trainieren? Ca.20 Trainingseinheiten, damit sich neue Nervenverbindungen stabilisieren können, sind empfehlenswert. Das Neurofeedbacktraining kann man alle zwei bis drei Tage oder auch wöchentlich (je nach Trainingsbedarf und Möglichkeiten) durchführen. Bitte lassen sie sich diesbezüglich beraten. Das Neurofeedbacktraining kann für Menschen mit Stressfolgeerkrankungen mit den ressourcenorientierten Sitzungen kombiniert werden.